CD: Franz Ferdinand "Tonight: Franz Ferdinand" (Domino)
Disco-Pop ohne Substanz
Es
war ein fulminanter Karrierestart, als Franz Ferdinand vor fünf Jahren
mit "Take Me Out" und ihrem Debütalbum förmlich alle Aufmerksamkeit an
sich rissen. Alex Kapranos wurde schnell zum charismatischen Leader gekürt.
Und all das geschah ausnahmsweise sogar zu recht: Ihre tanzbaren Rhythmen
und knackigen Gitarrenriffe trafen den Puls der Zeit und überzeugen noch
heute. Schnell, nur ein Jahr später, wurde "You Could Have It So Much
Better" nachgelegt. Das Rezept war dasselbe, wenn auch noch hektischer,
überdrehter. Trotzdem: Eine Platte mit Daseinsberechtigung. Das ist jetzt
über drei Jahre her.
Dementsprechend gespannt verfolgt die internationale Presse bereits seit
geraumer Zeit jeden Schritt der Band. Sogar die Verkündung des Album-Titels
war manchem Schreiberling eine Schlagzeile wert. Und kurz darauf wurde
schon euphorisch gejubelt, "Tonight: Franz Ferdinand" sei ihr bestes Werk.
Was haben sich die vier Schotten da also zusammengebastelt? Nun, die angesprochene
Hektik des Vorgängers ist stampfenden Disco-Rhythmen gewichen. Ansonsten
ist "Tonight: Franz Ferdinand" eine Platte mit hohem Wiedererkennungswert.
Sehr ärgerlich ist jedoch der häufige Einsatz von wummernden oder quitschenden
Synthesizern, die schnell nerven und einen guten Song eher beflecken,
als glänzen lassen.
Doch das mit den guten Songs ist auch so eine Sache: "Tonight: Franz
Ferdinand" fehlt es an Substanz. Manche Titel hüpfen zwar nett vor sich
hin und machen mitunter - besonders live - sicherlich Spaß, doch ihre
Halbwertzeit ist kurz. (Es wird viele erfolgreiche Single-Auskopplungen
geben.) Da hilft es auch nicht, mal wieder nach den Beatles zu klingen
("Twilight Omens") oder eine Ballade zu platzieren ("Katherine Kiss Me").
Die
Ausrichtung auf 80er-Jahre-Disco-Pop - einen Song wie "Can't Stop Feeling"
hatte ich nie wieder hören wollen - bringt leider einen rapiden Abfall
an musikalischer Qualität mit sich. Lediglich "Turn It On" überzeugt -
und das 8-minütige "Lucid Dreams" mit seinem kuriosen Synthie-Solo und
elektronisch krachendem Finale. Sonst keine Empfehlungen.
bf
Franz Ferdinand auf Tour: 14.03. Köln, Paladium; 24.03. Hamburg, Docks;
25.03. Berlin, Columbiahalle; 26.03. München, Tonhalle; 28.03. CH-Zürich,
Schiffsbauhalle
www.franzferdinand.co.uk
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