LIVE: Soap & Skin (Köln, Kulturkirche, 30.09.09)
Aus einer anderen Welt
Der erdige Duft von Räucherstäbchen erfüllte das Innere der
Kulturkirche, weiße Lilien zierten den schwarz glänzenden Flügel auf der
Bühne, rechts und links brannten große Kerzen, und aus den Lautsprechern
tönte ein meditatives Dröhnen – es hatte eher den Flair einer Beerdigung
als den eines Konzertes. Und doch wartete man auf Anja Plaschg aka Soap
& Skin, die mit ihrem Debütalbum „Lovetune For Vacuum“ für berechtigtes
Aufsehen sorgt. Ein Laptop auf dem Flügel komplettierte das Equipment.
Es war nicht viel mehr als ein Schatten, der im Zwielicht der Kulturkirche,
scheinbar aus dem Nichts, Richtung Flügel huschte. Das instrumentale „Turbine
Womb“ eröffnete den Abend, gefolgt von einem gewisperten „Hallo“, das
so zaghaft war, dass es nur schwerlich am anderen Ende der Kirche angekommen
sein dürfte. Nur selten glitt Anja Plaschgs Blick flüchtig in Richtung
des Publikums. Wie ein scheues Tier, das versucht, sich vor dem Feind
unsichtbar zu machen, saß die 19-jährige Österreicherin an ihrem Flügel.
Konzentriert und präzise bot sie ihre Musik dar - nur in ihr schien sie
aus sich herauszukommen. Der Saal war dominiert von Stille, nur unterbrochen
von diesen teils zerbrechlichen, verstörenden und leiderfüllten Liedern.
„Das was man sieht, was jeder kennt und benennt, das ist völlig uninteressant
für mich“, sagte Plaschg im Frühjahr der ARD. Dementsprechend kriechen
die Inhalte ihrer Musik aus tiefen seelischen Abgründen zutage, kommen
aus einer anderen Welt und manifestieren sich in der Kombination aus Piano,
elektronischen Klängen und Gesang.
In der zweiten Hälfte des Konzertes wummerte gerade das rein elektronische
„DDMMYYYY“ aus den Boxen (der einzige Song ohne Piano), als Anja Plaschg
ruckartig aufstand und wie ein mechanisches Püppchen über die Bühne stachselte,
an der Rampe auf die Knie ging und so einen Moment regungslos in die erste
Zuschauerreihe starrte.
Mit „Spiracle“ und „Marche Funèbre“ endete das rund einstündige
Set dieses Abends, und nach einer kleinen A Capella-Zugabe ließ die Wahlwienerin
ihr Publikum bewegt und beeindruckt zurück. Die gesamte Darbietung, von
der Atmosphäre in der alten, protestantischen Kirche, bis hin zu Anja
Plaschgs Auftreten, war perfekt inszeniert. So wurde dieses Konzert zu
einem intensiven, bitter-süßen Horrortrip aus Leid, Verzweiflung und Beängstigung.
bf
www.soapandskin.com
Bildquelle:
www.flickr.com/people/-christoph-
Zurück
zur Archiv-Übersicht
|