CD-Tip: Frank Black and The Catholics
"Black Letter Days" und "Devil's Workshop" (beide
Cooking Vinyl)
Oktober 2002
Unter
Mangel an Ideen hat er noch nie gelitten, doch dieses Jahr beschenkt uns
das einstige Pixies-Mastermind gleich mit zwei Alben, wobei - man erfreue
sich an der Quantität (zusammen 29 Tracks) - die Qualität nicht durchgängig
zu Jubel verleitet. Während "Black Letter Days" den hohen Standard des
Vorgängers "Dog In The Sand" recht mühelos hält, erscheint "Devil's Workshop"
doch eher als ein Sammelsurium in Sachen Resteverwertung. Insgesamt bleibt
Frank Black, alias Black Francis, dem schon vor einigen Jahren eingeschlagenen
Kurs treu: Die Stücke werden quasi live und ohne Overdubs auf ein 2-Spur-Gerät
geknallt und fertig - bei anderen Musikern nennt man das Ergebnis dann
Demo...
Waren die ersten beiden Alben noch aufwendig produziert, entdeckte Black
bald den rauen Charme dieser puritanischen Aufnahmetechnik, wobei es nicht
ganz unerheblich ist, daß, nachdem die Verkaufszahlen der Solowerke bei
weitem nicht die der Pixies-Scheiben erreichten, keine Plattenfirma mehr
bereit schien, für derlei Kosten aufzukommen. Daß die Sachen dennoch überzeugen,
läßt erahnen, wie Frank Black und die Catholics live klingen: ziemlich
geil (allerdings klingen sie dieses Jahr nur woanders geil, von Auftritten
in der Nähe unserer Breiten war bislang nichts zu hören) - ganz im Gegensatz
zu den Pixies, die ihren Studiosound nie angemessen auf die Bühne übertragen
konnten.
Auf "Black Letter Days" wird wieder ausgiebig Gebrauch von der
Pedal Steel Guitar gemacht, und man könnte einige der Tracks auch in die
"New Country"-Ecke schubsen, die Platte im ganzen läßt aber keinen Zweifel
daran, daß hier jemand, herkommend aus lustvollem Lärmchaos und Punk-Eskapaden,
schließlich und endgültig in der "traditionellen" Rockmusik angekommen
ist - und immer noch sein eigenes, merkwürdig verschachteltes Ding dreht.
Da rutschen upper-midtempo-Songs aus rustikalem Prärie-Feeling mit dem
Chorus in die alte Pixies-Intensität ("California Bound"), "21 Reasons",
bis dato bloß in grausiger Live-Version bekannt, mausert sich zum ewigen
Klassiker, "Black Letter Days" und "End Of Miles" gerieren sich als unwiderstehliche
Hitsingles, die härtere Bluesrock-Variante ist wieder vertreten ("1826")
- und mit "Whispering Weeds" gibt sich die Genialität einen karibisch-hoppelnden
Anstrich.
"Devil's
Workshop" ist die eindeutigere "Rockplatte" und eindeutig schwächer,
das alte "Velvety", jetzt auch endlich als regulärer Albumtrack mit Text
versehen, bleibt die Perle. "His Kingly Cave", ursprünglich in recht ansprechender
Version auf dem nie veröffentlichten Album "Sunday Sunny Mill Valley Groove
Day" enthalten, enttäuscht, weil das Potential des Stückes verspielt wird,
beim Chorus ist der Schlaf nahe. Und sonst? "Modern Age" schrammelt noch
flott und niedlich daher und vielleicht will man auch dem schrägen Rockabilly
von "Are You Headed My Way" etwas abgewinnen, aber dann wird's schon schwierig,
der Rest versinkt in Belanglosigkeit.
Na gut, sehen wir's sportlich: Die musikalische Ausbeute aus beiden Platten
übertrifft immer noch den Jahresdurchschnitt jedes anderen Musikers, wie
immer also.
rou
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