Konzert-Bericht: Spiritualized (Köln, 26.09.03)
Die ruhigen Töne des Spaceman
Seit
ein paar Wochen steht "Amazing Grace", die aktuelle Platte von Spiritualized,
in den Läden. Als Sahnehäubchen für alle Anhänger des "Spaceman", ließ
sich Jason Pierce nun auch für zwei Gigs höchstpersönlich in deutschen
Landen blicken. Nachdem "Amazing Grace" überraschend rockig und straight
ausgefallen ist, war die große Frage, wie er die Songs live darbieten
würde. "Er" war natürlich nicht allein, als das Bürgerhaus Stollwerk sich
langsam füllte. Doch bekanntlich zieht Pierce an sämtlichen Fäden, rund
um die Band, selbst. So hieß es zum Beispiel, wenn man sich nach der Musik
erkundigte, die während des Soundchecks lief, es sei ein Mixtape - Jasons
Gospel Mix! Aha.
Gegen 21 Uhr 30 - vom Gospel keine Spur mehr - stellte sich langsam das
charakteristische "Pure Phase"-Surren ein; es ging los. Den Abend eröffneten
Spiritualized mit "This Little Life Of Mine", das ebenfalls Opener von
"Amazing Grace" ist. Auch im weiteren Verlauf des Abends stand die neue
Platte klar im Vordergrund - zehn von elf Titeln, einschließlich der aktuellen
Single "She Kissed Me (It Felt Like A Hit)", wurden gespielt.
Dafür
wartete man vergebens auf Titel, wie "Shine A Light" oder "Cop Shoot Cop",
die bisher zum Live-Repertoire der Band zählten. Zudem sparten sie das
2001er Album "Let It Come Down" komplett aus. Doch fehlten auch Abstecher
in die Vergangenheit nicht. So spielten sie aus Spaceman 3-Zeiten das
obligatorische "Walking With Jesus" und aus noch ganz anderen Zeiten,
den Velvet Underground-Klassiker "Run Run Run" in ihrer Space-Version.
Die meisten älteren Titel sind auf der Spiritualized-Compilation "Complete
Works I" zu finden und wurden auch live konsequent in den alternativen
Versionen gespielt. Unterm Strich haben die Jungs eher ruhigere Töne angeschlagen.
Gar bedächtig wurde es, als Pierce "The Ballad Of Richie Lee", über den
Verlust seines Freundes von der Gruppe Acetone, anstimmte. Heavy Spacerock
gab es nur zwischendurch mal und ausufernde Gitarren-Explosionen blieben
fast ganz aus. Erst zum Schluß gab die Band nochmal richtig Gas und bot
eine beeindruckend-extatische Version des Songs "Smile", vom ersten Spiritualized-Album
"Lazer Guided Melodies", dar.
Pierce, der wie gewohnt am rechten Bühnenrand saß und sich während des
Konzertes auch nicht dort wegbewegte, wollte einen ruhigen Abend - vielleicht
sogar einen Abend ohne Auftritt? Jedenfalls sollte es keine Zugaben geben.
Doch man bekam, was man bekommen sollte: zwei Stunden Spiritualized -
vielleicht nur etwas zu leise.
bf
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