Live: super700 (Düsseldorf, 24. September 2006)
Im Keller eingesperrt
Es
war schon ein amüsantes Bild, als ich gegen 21:30 Uhr in das Kellergewölbe
hinabgestiegen bin, wo "super700" spielen sollten: Die kleine
Bühne war komplett zugebaut mit Schlagzeug, Gitarren, Keyboard, Bass,
und sogar ein Kontrabass prankte aus dem Chaos hervor. Für Monitorboxen
war kein Platz mehr, die standen auf Bierkästen vor der Bühne. Wo sollten
dort noch Musiker Platz finden? Das Geheimnis wurde bald gelüftet, als
sechs Herren sich zwischen die Instrumente quetschten - eindeutig nicht
"super700".
Dafür aber "benevolent", eine Kombo aus dem Raum Köln/Düsseldorf,
die den Abend mit akustisch geprägtem Indie-Sound eröffnete. Bass und
Kontrabass kamen im Wechsel zum Einsatz und das Keyboard spuckte mitunter
liebliche Pianoklänge aus. Bar-Atmosphäre kam auf, als das laszive Klimpern
noch von streichelnden Drum-Besen begleitet wurde. Eher selten wurde es
laut, aber wenn, dann im richtigen Moment. "benevolent" haben
gerade ihr erstes Album veröffentlicht, und auch wenn ihren Songs oft
der letzte Kick fehlt, haben sie einen überzeugenden und gefeierten Support-Gig
mit zehn Nummern gespielt.
Dann wurde es aber Zeit für das Septett um die bezaubernden Ramadani-Schwestern,
denen man kurzerhand je eine 1,5-Liter-Flasche in die Hand drückte. Im
nächsten Moment konnte man beobachten, wie die Sängerinnen vergeblich
versuchten, vor der Bühne die Kohlensäure aus ihrem Sprudelwasser zu schütteln.
Am Ende entschied man sich offenbar für ein Minimum an Flüssigkeitzufuhr.
Nun konnte es aber losgehen.
Die Berliner spielten Stücke vom aktuellen Longplayer "super700" (unter
der Regie von Strokes-Produzent Gordon Raphael eingespielt), sowie ihrer
Debüt-EP "When Hare And Fox Had Fun". Mit chronischen Feedbacks begleitet,
wurde bald aber deutlich, daß der geräumig angelegte Sound dieser Band
keinen Platz hat in der Sardinenbüchse Pretty Vacant. Unsicherheit und
das Bemühen um halbwegs akzeptablen Klang waren die Folgen, besonders
bei den Sängerinnen, die trotz allem das beste aus der Situation machten,
nämlich weitersingen so gut es ging.
Die Stimmung sollte unter diesem Manko aber nicht leiden. Auf der Bühne
warf man sich immer wieder mal ein Lächeln zu, und die Leute standen oder
saßen entspannt und gut unterhalten davor. Relativ früh kam schon der
Underground-Hit "Here Goes The Man", zu Recht besonders umjubelt, aber
herausragend war eine äußerst knackige Darbietung von "Guys'n'Girls",
bei der sogar der alte Gag mit der eingefrorenen Band zum Einsatz kam.
Weitere Stücke waren "I Love The Rain", "I Love You", "Recent Changes"
oder auch "Self Control", die aktuelle Single.
Nach "Elephant" kam in halber Besetzung noch eine letzte Ballade zur
Nacht und um Mitternacht war dann Schluß. Anschließend gab es CDs und
Buttons aus einem Köfferchen und man hatte die Erinnerung an einen netten
Abend in seinem Köfferchen.
bf
www.super700.de
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