Live: Lou Reed & Metallica, Köln
Später wurde es grausam

Lou Reed & MetallicaFast alle waren sie skeptisch, als Lou Reed und Metallica ihre Zusammenarbeit bekannt gaben, sowohl die Reed-Fans, als als auch die Metallica-Anhänger. Nun konnten sich die Fans erstmals einen Live-Eindruck machen, denn Reed und Metallica gaben am 11. November ein exklusives Promo-Konzert, das vom WDR im Radio und per Livestream ins Internet übertragen wurde. Sechs Songs aus ihrem Konzeptalbum „Lulu“ haben sie gespielt, von denen die erste Hälfte sogar recht Interessant war. Wobei Reeds laiernde Lyrics auch einen Teil dazu beitrugen - es wirkte stellenweise hypnotisch: Metallica brettern, und Lou...ist eben Lou und erzählt uns was...

Zwischendurch gab es ein Interview, bei dem Lou Reed den jungen Moderator spielend in die Tasche gesteckt hat. Er hatte es aber auch verdient: Weil „Lulu“ die gleichnamige Tragödie von Frank Wedekind zugrunde liegt, fragte er Lou, wie er überhaupt auf die Geschichte aufmerksam wurde, sie sei ja schon 100 Jahre alt! Ohne die Miene zu verziehen, antwortete er, „Hamlet“ sei schließlich noch älter.

Es folgte der zweite Teil der Live-Performance, und damit wurde es grausam: Nach einem weiteren Rocker, der noch okay war, folgte eine furchtbar einfältige Ballade, die Reed so grausam gekrächzt hat, dass sich die Zehennägel bogen. Doch das sollte noch nicht reichen: Als Bonus gab es den Velvet-Underground-Klassiker „White Light/White Heat“ - ein grober Fehler! Metallica haben daraus einen Brachial-Rocker gemacht, und Reed hat es nicht ansatzweise hinbekommen dazu zu singen. Dann war die Performance auch schon vorbei. Fazit: „Lulu“ hat mit Sicherheit gewisse Reize, doch was deren Ausprägung angeht, bin ich weiterhin skeptisch.
bf