Amber Benjamin Christopher Wohnort: Düsseldorf/Haan, NRW
Doch stellte sich schnell heraus, daß zwei Querköpfe aufeinander treffen, die mit teils sehr verschiedenen Vorstellungen an die Sache rangehen. Viele lange Diskussionen waren die Folge. "Nur manchmal spürten wir in den Sessions, daß unser meist improvisiertes Spiel einen gewissen Flow hatte. In diesen Momenten entstand 'Amber'!" Nach der Fertigstellung des Debüts blieben die Saiten in Schwingung: In den ersten Monaten des Jahres 2004 sollte bereits ein Nachfolgealbum entstehen, das kurzerhand, quasi über Nacht, zu einer 28-minütigen 5-Track-EP umkonzipiert wurde. Im Mai 2004 erschien die "Rising Heat"-EP, ein gelungener Nachfolger, der an den Sound des Erstlingswerkes anknüpft und ihn sanft weiterentwickelt. Ein Jahr später kam mit "Welcome To Diskordia" der zweite
Longplayer, erstmals unter dem Einsatz eines digitalen Aufnahmestudios
entstanden, was sich sowohl in der Produktion, als auch im Arrangement
bemerkbar macht. Insgesamt neun Titel, zum Teil sogar mit Text - ein Novum
bei Amber. "Welcome To Diskordia" war die letzte Veröffentlichung
von Amber. Im August 2008 haben Ben Christopher und Bränk Fleck die
Band einvernehmlich aufgelöst und arbeiten seitdem gemeinsam an ihren
Solo-Projekten.
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Platten:
Doch nun Film ab: Mit dem Beginn des exzellenten "Like A Good Drug, My Dear" findet sich der Hörer unterwegs auf der Reise in den Soundkosmos von "Amber". Brutale Brüche sind zuweilen unvermeidbar: "Shake'n'Twist" geriert sich als kreischender Velvet Underground-Klon, erst danach findet das freischwebende Ohr Halt an den Strukturen einer klassischen Bränk Fleck-Nummer im Amber-Gewand, die in etwa so klingt wie Tocotronic auf Acid ("Verloren In Dir"). Dann zurück ins Chaos: "Heil Diskordia" eskaliert auf dem Fundament eines sich stetig wiederholenden Musters von drei Akkorden zur kakophonischen Schwerelosigkeit - bis der Rhythmus schließlich wieder einsetzt und ein wenig Bodenhaftung schenkt. Der charmante "Wastepipe Blues" (Ben Christopher) leitet über zu Bränk Flecks traurig-frustrierter Ballade "Am besten das Ende". "Light In The Head" nimmt das Thema des Intros nocheinmal auf, bis schließlich alle Anspannung abfällt; der Hörer stellt das Atmen ein zu "This Deep Ocean" (Ben Christopher), Stille, tiefblaues Funkeln, weit oben träger Wellengang - perfektes Kopfkino. "Welcome To Diskordia" wirkt kompakter und geschlossener als seinerzeit
das Debütalbum von "Amber", zudem ist die Soundqualität deutlich besser.
Das musikalische Konzept birgt - angesichts der strukturellen Freiheit
- freilich die Gefahr der Wiederholung in sich. Diese Befürchtung entkräftet
Bränk Fleck mit dem Hinweis, daß für das nächste Amber-Werk gänzlich andere
Wege eingeschlagen werden sollen - wir sind gespannt! Head In The Light
Den Anfang macht "Flying Seat On A Cloudy Day", ein siebenminütiger Trip durch laue Lüfte, gefolgt von "Bright Summer", dem Soundtrack für gnadenlos heiße, sonnendurchflutete Sommerperioden, in denen der Asphalt schmilzt und die Wahrnehmung sich verändert. Die Stagnation der Gedanken steht im Mittelpunkt von "All The Lazy Thoughts" - hypnotisch und verzerrt. Nach dem klagenden "Nothing Is Good Enough", bäumt sich "Rising Heat" noch einmal auf: "As It Were The Last", siebeneinhalb Minuten Gitarren-Extase pur. "Rising Heat" ist eine instrumentale EP für besondere Momente. Sie bedient
Gefühle und Empfindungen, auf die man sich als Hörer einlassen muß, damit
sie ihre Wirkung entfaltet. Gelingt dies, kann man sich an schrägen, wilden,
leidenschaftlichen oder auch verbitterten Soundexperimenten erfreuen,
bei denen es nicht primär auf fehlerfreies Spiel ankommt. Flying Seat On A Cloudy Day Unterbrochen von kurzen, kreischenden Zwischenspielen und rumpelnden Geräuschkulissen ("Vibrating Airmate") fließen die Klänge monoton und zunehmend verfremdet dahin ("Jelly Roll"), jegliches Zeitgefühl geht verloren. Sitarähnliche Klänge zwischen Ambient-Music und kosmischem Blubbern ("Dancing Molecules") und schwebende Klangteppiche ("Perception") bilden die Ruhepole dieses eigensinnigen Sound-Experiments. Eine Platte für extreme Stimmungen - irgendwo zwischen "The Jesus and
Mary Chain", "My Bloody Valentine" und Brian Eno... Intro |