Bränk FleckWohnort: Düsseldorf, NRW
Mit „Fleckma“ sollte 2001 ein neuer Abschnitt beginnen: Das Album besteht, bis auf zwei Ausnahmen, aus eigenen Kompositionen. Außerdem standen erstmals digitale Aufnahmegeräte zur Verfügung, die Songs wurden komplexer instrumentiert. 2003 gründeten Ben Christopher (heute unter dem Namen Little Blind Benjamin bekannt) und Bränk das Indie-Projekt „Amber“ (ebenfalls bei LoFi-Lab vertreten), das bis 2007 parallel zu den Solo-Aktivitäten lief. Nach einer Vorabveröffentlichung des Songs „Muskel“, folgte 2004 das Album, „In den Räumen“, das erstmals nicht von Rou Lied co-produziert wurde. Ein Jahr später kam die Compilation „Schandfleck“ heraus, wo noch mal besondere Monente aus den ersten drei Alben zusammengefasst wurden. Als Bonus gibt es „What We Know (Coffy Can)“, eine Co-Produktion von LU Duarte. Danach wurde es ruhiger um Bränk, der zunehmend unter veraltetem und unvollständigem Aufnahme-Equipment litt. Erst mit Hilfe des ehemaligen Amber-Kollegen, Little Blind Benjamin, der seit 2007 für die Produktion von Bränks Musik verantwortlich ist, liefen die Aufnahmen wieder an: Im Sommer 2007 erschien die EP „Gespenster“, ein Vorbote zum Album „Körperspiel“ (2008). Die 2010 veröffentlichte EP „Letzter Sommer“ besticht durch ein hervorragendes Arrangement von Rou Lied. Zudem wurde erstmals mit Studio-Band aufgenommen. Das aktuelle Minialbum „Upside Down“ stellt aufnahmetechnisch den größtmöglichen Kontrast zu „Letzter Sommer“ dar: Fast alle Songs wurden von Bränk alleine am heimischen PC live eingespielt. Das Album ist primär als MP3-Download (weiter unten) erhältlich. Seit Herbst 2008 sendet Bränk Wohnzimmer-Konzerte, die mit Bild
und Ton direkt ins Internet übertragen werden. (www.blogtv.com/people/pixie123) Online: braenk.tumblr.com
10 Alben, die Bränk mit auf eine einsame Insel nehmen würde:
Platten: Upside Down (MP3/CD, 2012) DOWNLOAD Auch sonst bleiben keine Wünsche offen: Das kryptische „Hass bleibt Hass“
klingt arg nach Hamburger Schule, „Kondensstreifen“ und „Mia“ bewegen
sich im Umkreis vertonter Dichtkunst und „Von hinten“ ist Bränks balladesk
getarnter Ekel-Beitrag zum Thema Koprophilie. Der lärmige Titelsong „Upside
Down“ fällt gegenüber der ebenfalls enthaltenen, absolut wahnwitzigen
Demo-Aufnahme des Songs dann leider etwas ab. Insgesamt erwartet den Hörer
aber wieder ein kurzweiliges Vergnügen zwischen Trash und Anspruch. Fusseln Letzter Sommer EP (CD, 2010) DOWNLOAD An den Aufnahmen waren erstmals auch Bränks Mentor Rou Lied und Ex-AMBER-Kollege
Little Blind Benjamin (ehemals Ben Christopher) gemeinsam maßgeblich beteiligt.
Letzter Sommer
Der Opener "Abend zu zweit" bietet einen typischen fleck'schen Ekeltext im lieblichen Gewand, hier wird der Alptraum eines jeden Mannes wahr. Von eher skurrilem als brachialem Witz lebt die Geschichte vom "Achselhaar", das - wie sollte es auch anders sein - natürlich abends in die Achselbar geht. "Carolyn", eine stampfende, Independent-geschwängerte Schepperrocknummer, zündet gleich beim ersten Anhören - vielleicht eines der hitverdächtigsten Stücke auf "Körperspiel". Zur akustischen Gitarre wird uns dann vom Einsiedlerkrebs erzählt, der die Tiefsee in der Nachbarschaft zu Stachelpolypen bewohnt - ein gewohnt schräger Fleck-Text, der den Hörer leicht irritiert zurücklässt. "Feuer im Anschlag" mutet dann zunächst wie eine wirklich gewordenen Szene aus einem Egoshooter an. Beginnt man jedoch, darüber nachzudenken, regt sich schon eine neue, unausgesprochene Bedeutungsebene. Mit "Gespenster" folgt eine schöne, klassische Bränk Fleck-Ballade mit den altbekannten Zutaten: Depression, Isolation, Hang zum Verfolgungswahn. Balladesk ist auch "Wie alles andere", diesmal aber mit ungewohnt poetischem, fast zartem Einschlag. Den übel zotigen, englischen Text zum flotten Funrocker "Rockshow" muss sich der Hörer selbst erschließen, zitatwürdig ist er jedenfalls kaum. Schließlich folgt noch die liebevolle Johnny Cash-Parodie "Follow Your Heart" und mit "Where Is Amber" ein Abgesang auf die langjährige Zusammenarbeit mit Ben Christopher beim Sideprojekt "Amber", bevor die Psychostudie "Draußen" von melancholischem Folk in ein rockig-atonales Finale kippt. "Körperspiel" demonstriert, dass Bränk Fleck die von Tocotronic beeinflusste
Phase seines Schaffens endgültig hinter sich gelassen hat - das Elegisch-Weinerliche
ist der Vielfalt gewichen. Es finden sich freilich immer wieder depressive
Nummern, die jedoch musikalisch an Reife, Stil und Bandbreite hinzu gewonnen
haben. Dass zudem der Spaßfaktor wieder stärker in den Vordergrund gerückt
ist, macht "Körperspiel" zu einem eigensinnigen und kurzweiligen Vergnügen.
Die "Special Edition" enthält zusätzlich eine Bonus-CD mit zehn Demos
aus den Jahren 2006 - 2008. Abend zu zweit Special Edition (Demos): Gespenster EP (EP, 2007) DOWNLOAD "Gespenster" beschwört das klassische Bränk Fleck-Thema schlechthin: Eine triste, fremde und unheimliche Welt, geprägt von Identitätsverlust und Depersonalisierung. Die depressive Grundhaltung ist ungebrochen - ein Entrinnen ist unmöglich, undurchsichtige Regeln machen das Individuum zum Spielball eines rätselhaften feindlichen Schicksals. Das Stück besticht durch seine unaufdringliche Moll-Stimmung, insbesondere der behutsam und stimmungsvoll mit Synthies und Hall unterlegte Chorus überzeugt. Die restlichen Stücke enstammen direkt oder indirekt dem Kosmos des gemeinsam mit Ben Christopher betriebenen Sideprojekts "Amber": Das melancholische "Verloren in Dir", ursprünglich auf der Amber-CD "Welcome to Diskordia" enthalten, wurde mit neuer Gesangsspur versehen, bleibt aber eigentümlich puristisch und nackt. Etwas "Butter bei die Fische" hätte hier nicht schaden können. "Why don't you help me" klingt deutlicher nach dem, was es ist: Eine von Ben Christopher für Amber geschriebene Nummer, von Bränk mit Text versehen. Rohe Gitarren, die im unvermeidlichen Velvet Underground-Ambiente in atonales Quietschen überleiten. Auch "Draußen" basiert auf gemeinsam mit Ben Christopher produzierte Aufnahmen und wurde hier vom Amber-Soundtüftler zum "Little Blind Benjamin Remix" gestreckt: Das Stück wirkt enspannt und harmonisch, ein schwebender Roxy Music-Synthie tut sein übriges, gegen Ende driftet der Track in eine dichte sphärische Soundlandschaft. "Es ist Glück", von Bränk mit Sentiment nur zur akustischen Gitarre vorgetragen, ist eigentlich ein für Ben Christopher geschriebenes Geburtstagslied, eine nette Ode an die Freundschaft, die den Abschluss der "Gespenster"-EP bildet. Insgesamt wirkt das Werk etwas richtungslos und pendelt unentschlossen
zwischen traurigen oder gar bedrückenden Balladen und eher soundorientierten
Basteleien im Amber-Stil. Die nächste reguläre Bränk Fleck-CD ist mal
wieder fällig... Gespenster Schandfleck (CD-Compilation, 2005) Der Opener von "Schandfleck", die Rou Lied-Nummer "Gitarrespielen", stammt aus dem Jahr 1998 und läßt sich zurecht als Bränks erster Smashhit bezeichnen. Diese Phase ist auf "Schandfleck" durch 5 Stücke vertreten, darunter gnadenlos zotige Knaller wie "Zu breit" und "Ich bin schwul". Bis dahin musikalisch abhängig von Fremdkompositionen, vollzieht sich anschließend der entscheidende Wandel: Bränk lernt Gitarrespielen und wendet sich ernsthafter der musikalischen Komponente zu. 2001 erschien das Album "Fleckma", hier überwiegt erstmals deutlich der Anteil an Eigenkompositionen. Und direkt setzt Bränk eigene bemerkenswerte Akzente: Mit Songs wie "Tut mir leid" und "Yo Voy" zeigt er unverkennbar, daß er den kindlichen Witznummern entwachsen ist und die Welt mit origineller und mitreißender Rockmusik zu begeistern weiß. 2003 veröffentlicht Bränk Demo-Aufnahmen, die sich über Jahre angesammelt haben (CD "Demo") und schließlich die genialische Nummer "Muskel" (auch auf "Schandfleck" enthalten). 2004 setzt er noch eins drauf: Mit dem Album "In den Räumen" gelingt ihm erstmals ein geschlossenes und reifes Werk, daß durch athmosphärische Gedichtvertonungen, klassische Bränk Fleck-Balladen und Country-Einflüsse besticht. Höhepunkte wie "Raketen" oder "Die Räume sind leer" sprechen überzeugend für sich selbst. Im Ganzen muß "Schandfleck" als äußert gelungene Zusammenstellung
betrachtet werden, die ausgewogen und angemessen Bränk Flecks musikalische
Entwicklung wiederspiegelt und dabei der Langeweile keine Chance läßt.
Wer LoFi-Sound der eigensinnig-ungewöhnlichen Art und Texte zwischen Absurdität
und Tiefgang schätzt, sollte zugreifen und sich diesen "Schandfleck" ins
heimische CD-Regal stellen. Gitarrespielen In den Räumen (CD, 2004) DOWNLOAD "Cowboy Jack", das zunächst nur als live eingespielte Demoversion vorlag, wurde für "In den Räumen" als reguläre Version aufgenommen und kommt mit leicht-flockigem Country-Feeling daher. Doch hier hat die Witzigkeit dann schon ihre Grenzen, denn die folgenden Stücke entstammen zumeist eher der angedüsterten Fraktion: "In den Räumen" verbreitet eine depressive Grundstimmung und besticht durch gewohnt raffinierte Textzeilen wie "Gleich hinter meinem Telefon steht die Feuerwehr...". Kurze instrumentale Intermezzi wie "Furcht" und "Wie es geht" leisten wiederum der Düsternis Vorschub; "Spiegelbilder" handelt in Form einer klassischen Bränk Fleck-Ballade philosophische Grundfragen ab. Höhepunkte des Albums sind neben "Muskel" sicherlich die Tracks "Raketen" und "Selmas Nacht". Mit "Raketen" ist Bränk ein stimmungsvolles, mit lockerem Latino-Rhythmus unterlegtes Meisterwerk gelungen. Beim gleichermaßen exzellenten "Selmas Nacht" erweist es sich als Glücksfall, daß die ursprünglich für den Chorus vorgesehene Slide-Gitarre durch eine satte Hammond-Orgel ersetzt wurde. "In den Räumen" schließt mit "Sentimental Lovesong", einer steppentrockenen
Westernballade im Stile der von Bränk verehrten New Country Band "Court
& Spark" und schlussendlich mit dem bedrohlichen Synthie-Outro "Verfall".
Im Glockenturm Muskel (Maxi-CD, 2003) Muskel Demos (CD, 2003) Instrumental 1
Fleckma (CD, 2002) DOWNLOAD Sag es (jetzt) Yo Voy (Maxi-CD, 2000) Für die breite Masse (CD, 1998, re-release 2003) |