Little Blind Benjamin Wohnort: Home of the Brave
Parallel dazu bildete er, neben Bränk Fleck, die zweite Hälfte des Projekts „Amber“, das auch auf LoFi-Lab vertreten ist. Seit dem Split von Amber, 2007, arbeitete Benjamin an seinem nun vorliegenden Werk „Visions of Vacuity“. Nebenbei produzierte er die letzten beiden Platten von Bränk Fleck, und ließ sich auch als Studio-Musiker bei den Aufnahmen gewinnen. Nach seinem zweijährigen Ausflug an die Mosel ('06-'08), ist Little
Blind Benjamin wieder daheim angekommen. Im vergangenen April ging er
den Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
10 Alben, die Ben mit auf eine einsame Insel nehmen würde:
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Platten:
Die einstmals schwerverdauliche Mixtur von wilden bis chaotischen Lärmorgien und schwerelosen Ambient-Stücken ist sehr ausgewogenen Stimmungsbildern gewichen. Die Herangehensweise ist nach wie vor experimentell, hat jedoch deutlich an Hörerfreundlichkeit gewonnen. Auf etlichen Tracks dominieren akustische Gitarrenklänge; zumeist führt ein einfaches Blues- oder Rockthema zu letztlich überraschenden Ergebnissen. Klangtechnisch ist „Visions Of Vacuity“ ausgezeichnet, ohne den LoFi-Appeal einzubüßen, die Arrangements zeugen von akribischer Kleinarbeit. Die größte Überraschung ist vielleicht, dass Little Blind Benjamin sich erstmals der Sangeskunst zuwendet – und auch hier ohne Abstriche überzeugt. Zu den Stücken: Im Opener „Night By Night Good Night“ scheint es eine Gruppe tibetanischer Mönche ins Mississippi-Delta verschlagen zu haben, während „Thank God I Don’t Care“ mit seinen echo-irrlichternden Stimmen tief im Fundus der 60er Jahre wühlt. Die psychedelische Grundstimmung ist auf „Visions Of Vacuity“ Programm: Echo, Hall, Glöckchen und Schellen allerorten - beispielsweise auf „Oh Sweet Confusion“, das zunächst zwischen Velvet Underground und den Beatles zu pendeln scheint und schließlich mit traumhaften Streichern ausklingt. „Fucked Up Glory“ klingt hingegen eher wie Donovan auf Acid und kann doch eine Nähe zum Brit-Pop nicht ganz verhehlen. „I Guess I’ll Never Wake Up“ kommt mit trägem Wellenschlag und schwebenden Chorstimmen schließlich gänzlich wie eine Traumsequenz daher. Unter den Instrumentals ragen insbesondere „Great Fool Dead“ mit einem wiederum ausgefeilten Streicherarrangement und das zauberhaft verspielte „Yügen“ hervor. Zur härteren Gangart zählen Nummern wie „Railroad Earth“, ein über 10-minütiges Rock-Opus oder „We Two Ours One“- dreckige, wuchtige Gitarren, obendrauf eine fiepsige Orgel: Fertig ist der packende Indie-Knaller á la „Brian Jonestown Massacre“. Im Direktvergleich zu früheren Arbeiten überzeugt „Vision Of Vacuity“
zunächst einmal durch das organische Soundbild: Der Einsatz vieler „echter“
Instrumente, Gesang und reichlich Percussion macht das Album zu einem
sehr lebendigen und authentischen Hörerlebnis - Fälle wie „Perfective
Stimulus Filtering“, in denen virtuelle Klänge einen allzu schematischen
und künstlichen Eindruck hinterlassen, bleiben die Ausnahme. Zudem wartet
Little Blind Benjamin diesmal mit starken Kompositionen auf, die oftmals
ausgeprägte Ohrwurmqualität haben. Alles in allem ist hier ein spannendes,
bisweilen überragendes Werk mit vielen Höhepunkten gelungen. Night By Night Good Night
Schon zu Beginn wird klar, daß von herkömmlichen Songstrukturen auf diesem Werk nicht die Rede sein kann: Chaos und Struktur gehen eine eigenwillige Verbindung ein. Die üblichen Trackbegrenzungen werden ad absurdum geführt – während der ersten drei Titel fräst sich im Grunde ein einziger Track in die Gehirnwindungen des Hörers. Seltsam zusammengestückelt wechseln Parts, auf denen hallflirrende Gitarren dominieren, sich mit Saxophonklängen ab, die den frühen Roxy Music entstammen könnten. Zwischendurch bekommen in Ehren gealterte Can-Verehrer leuchtende Augen und klingende Ohren. Immer wieder wird ein vorangegangenes Thema wieder aufgenommen und variiert. Das alles findet auf einem schrägen Velvet Underground-Soundteppich statt - und passt erstaunlicherweise auch noch gut zusammen. Die erste Hälfte von „Ein Abend mit Ben Christopher“ bleibt diesem Prinzip weitestgehend treu: „Am Himmel, In der Nacht, Im Bett“ gleicht einem spacig-flatternden Besuch bei den Sternen, „Verschwendung von Raum und Zeit“ besticht durch einen knarzigen Offbeat, der unter dem Klang von Schellen und Rasseln in ein an- und abschwellendes Gewitter von verzerrten Gitarren und pfeifenden Rückkopplungen übergeht. Der Titel „Traum im Traum“ leitet die zweite (wenn man so will: musikalischere) Hälfte des Werks ein: Sphärisch und zeitlos fließt der Sound dahin, Brian Eno-Assoziationen regen sich - auch wenn Eno meines Wissens niemals eine Mundharmonika (!) unter schwebende Gitarren und irrlichternde Glöckchen gemischt hat. Der Track mündet schließlich in ein orchestrales Crescendo von Atonalität. Höhepunkt ist das 10-minütige Opus „Welch heller Strahl des Glücks“, das seinen Titel den eingespielten Textpassagen aus Fellinis „Achteinhalb“ verdankt. Auf einem Grundmuster von drei ansteigenden Akkorden spielt Ben Christopher gekonnt und leichthändig mit synthetischen Streichersätzen, erst gegen Ende übernehmen wieder, diesmal bruchlos und sanft übergehend, die Gitarren die Regie. Bemerkenswert auch der Titel „Harpiya“: Hier werden klassische, orientalische Melodiebögen spielende Bläser auf einem Orgel/Keyboard-Basement mit indischen Tabla-Rhythmen kombiniert. Entlassen wird der Hörer schließlich mit „Ein letztes Lied vom müde sein“, einen im Regen zerfließenden, langsamen Blues mit ausklingenden Streichern. Fazit: „Ein Abend mit Ben Christopher“ lässt sich nicht nebenbei und
nicht in jeder Stimmung konsumieren, der Sound erfordert Fallenlassen
und Zeitvergessenheit und ist somit im besten Sinne als psychedelisch
zu bezeichnen. Die Gitarrenarbeit des Erstlingswerks wirkte oft noch wie
auf einen etwas sterilen Sounduntergrund aufgesetzt – auf „Ein Abend mit
Ben Christopher“ ist dieses Manko einer weithin gelungenen Synthese der
verschiedenen Elemente gewichen. Ben Christopher hat eine stimmige, eigene
Klangsprache entwickelt, die gleichermaßen anstrengt und entspannt, nie
aber um überraschende und faszinierende Momente verlegen ist - Kunststück! Danse Macabre
Los geht es mit dem groovigen Rocker "Losing Touch With Your Mind", ein gut platzierter Opener, der Lust auf mehr macht und die Drums cool in Szene setzt. Weiter geht es mit der Liebeserklärung "Under The Sun" und "Ich-Auflösung", der erzählenden Beschreibung eines Horror-Trips, begleitet von einem dezenten Beat und jammenden Gitarren - dieser Song trägt Velvet Underground im Herzen! Mit dem minimalistischen "Do You Feel The Earth Spinning 'Round?" beginnt eine neue Phase des Albums. Der Hörer wird in musikalische Sphären geführt, die wohl am Besten über Kopfhörer zu erfahren sind. Das avantgardistische "Tambura Vilambit" ist in Anlehnung an Benjamins mehrwöchige Indien-Reise vom Frühjahr 2004 entstanden, von der er eine Tambura mitbrachte - eine Art Mandoline, die ihre Ursprünge in Mazedonien und Bulgarien hat. Unterstützt von einer begleitenden E-Gitarre, spielt die Tambura tief-melancholische Klänge, die aus rohem LoFi-Sound bestehen und durch ihre Atmosphäre noch an Authenzität gewinnen. Benjamin Christopher transportiert seine Aussagen gerne ohne Worte, lediglich zwei Titel haben einen Text. Kurz wird der Hörer beim rockigen "Flashback" aus der Hypnose gerissen, um bei "Space Symphony" und "Hello Nothing" wieder auf Synthie-Teppichen davon zu fliegen, wie es auch Spiritualized gerne ermöglichen. Wer nicht wegschwebt, erlebt hier den langweiligsten Part des Albums,
bevor der Titelsong am Ende noch das gesamte Werk krönt: Das 16-minütige
Opus mit Streichern und Bläsern ist das eindeutige Highlight der Platte.
Hiermit ist dem angehenden Student der Kunstgeschichte ein respektables
Meisterwerk gelungen, das musikalisch mit Variationen und Weiterentwicklungen
spielt, so daß man dem Song fast wie einem Hörspiel folgen kann. Alle
Titel wurden digital auf einem Multimedia-PC eingespielt, gemixt und gemastert.
"Aus dem Chaos" ist ein schickes Erstlingswerk, aber mitunter keine leichte
Kost. Losing Touch With Your Mind |