nullacht99
Jochen
Matze
Wohnort: Ilshoven, Baden-Württemberg
LoFi-Familienmitglied seit: August 2001
Aus
dem beschaulichen 6000-Einwohner-Ort Ilshoven, im Norden von Baden-Württemberg,
stammt nullacht99, bisher eine reine Studio-Band, bestehend aus den beiden
Freunden Jochen und Matze, der bereits in der schrägen Rockband State's
Decay gespielt hat.
Daß hier Perfektionisten am Werk sind, verrät schon ihr satter, ausgetüftelter
Sound, dem man durchaus einen Wiedererkennungswert zuschreiben kann. Da
macht es auch nichts, wenn man mal ein Jahr auf die nächsten drei Songs
warten muß. Nullacht99 arbeiten unter dem Prinzip ‚Qualität statt Quantität'.
Die Kunst ist, daß nullacht99 nicht langweilig werden, obwohl sie meist
über das Midtempo nicht hinaus kommen. Die Songs transportieren große
Gefühle, irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnungslosigkeit, ohne abgedroschen
zu sein.
bf, Mai 2003
Fragebogen:
Bränk: Was habt Ihr vor "happy daze" gemacht, und wie habt Ihr Euch
gefunden?
Jochen: Matze hat vorher in einer Band namens State's Decay gespielt.
Die haben mit danzigbeeinflusstem (!!!!) Punkrock angefangen und sind
dann bei - im weitesten Sinne - Indierock gelandet. Ziemlich gitarrenlastig
das ganze, aber mittlerweile eh geschichte, da sich die Band nach musikalischen
Differenzen aufgelöst hat. Eine einigermassen okay'ne CD - übrigens auch
homerecording - gibt's trotzdem von ihnen. Ich bin eigentlich recht spät
zur Musik gekommen. Erst so vor knapp 2,5 jahren. Deshalb gibt's da nicht
viel zu erzählen. Wir beide kennen uns schon seit Kindertagen - soll heissen,
etwa seit Klasse 5 des örtlichen Gymnasiums. Und dort wurden wir eben
- ähm - Freunde, wenn man das so einfach ausdrücken kann.
Bränk: Was hat sich nach "happy daze" geändert?
Jochen: Puh, das ist schwer... Ich denke wir sind straighter geworden
(vor allem was das Songwriting anbetrifft) und auch etwas reduzierter;
vielleicht sogar popiger. Stellenweise ist die Verstahltheit etwas gewichen
und wurde durch (noch) mehr Traurigkeit und augenzwinkerndem Sarkasmus
ersetzt (räusper). Ausserdem haben wir versucht, mehr Wert auf den Gesang
zu legen. Mit der Zeit haben wir auch gelernt, besser mit der Aufnahmetechnik
umzugehen und uns einen alten Analog-Synthi aus den 70ern zugelegt, was
man auch hört. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die neuen Songs im
grossen und ganzen...sagen wir mal...reflektierter sind.
Bränk: Kann man Euch auch live sehen?
Jochen: Bis jetzt noch nicht, aber wir arbeiten dran.
Bränk: Habt Ihr musikalische Vorbilder?
Jochen: Klar. Sehr viele sogar: Eels, Swell, Silver Jews, Coldplay,
Appliance (die alten Sachen), Mark Lanegan, Locust Fudge, Sharon Stoned,
Chokebore, Sparklehorse, Mogwai, Snow Patrol, Reindeer Section, um nur
einige wenige zu nennen.... Es ist schwierig, das ganze an einer bestimmten
Richtung festzumachen, da wir beide recht viel Musik hören und auch gut
finden.
(September 2002)
Platten:
Rocker (CD, 2003) DOWNLOAD
Schon
das sehr gelungene Debüt "happy daze" (2001) beeindruckte die LoFi-Redaktion,
jetzt präsentieren nullacht99 ihre neue 6-Track CD. Die Musik, eine betörende
Melange aus traurigem Slow-Folk und klassischen Independent-Sounds wirkt
stilistisch gefestigter, die Stimmung einheitlicher. Der wunderbare Opener
"voices" kommt verhalten und getränkt mit leiser Melancholie daher, ein
kleines Meisterwerk. "letitrain" erinnert wieder stark an "happy daze",
man scheint The Cure in ihrer depressiven Phase zu lauschen.
"lone Star", die einzige Nummer, die man unter upper-midtempo einordnen
könnte, könnte auch eine kleine Independent-Hitsingle abgeben und weist
auf das enorme musikalische Potential der Band. "RMX" und "second hand
smoke" führen in stille, farblose Weiten - Musik, die sich auf's Verstummen
zubewegt. Insgesamt ein in sich geschlossenes und stimmungsvolles Werk,
der ideale Soundtrack für nebelige Herbsttage und einsame Nächte.
rou, Oktober 2003
voicesforthepoorandugly
LetitRain
lone star
RMX
second hand smoke
say it ain't so
happy daze (CD, 2001) DOWNLOAD
Die
sechs Titel von "happy daze" bestechen durch atmosphärische Dichte und
entspannte Intensität. Das Grundtempo der gitarrenbestimmten Songs ist
verhalten, die Akkordfolgen tendieren zur Monotonie, und doch ist es dann
jedesmal schade, daß sie so schnell zuende sind, denn die depressiv angehauchten
Klang- und Stimmungsbilder von "happy daze" entwickeln schnell hypnotische
Qualitäten. Persönliche Favoriten sind "MrBush3", das in etwa so klingt,
als sänge Robert Smith bei den frühen My Bloody Valentine und das über
zwölfminütige (gut - nicht so schnell zuende) "at_last", das im zweiten,
quasi als hidden track angelegten Teil gar an selige Can-Zeiten erinnert...
rou, August 2001
smile früher
happyless
MrBush3
aleaiactaest
onceagainaboutyou
at last
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