Tjian

Benjamin Nossen

Wohnort: Nürnberg, Bayern
LoFi-Familienmitglied seit: November 2005

TjianTjian aus Nürnberg versteht sich selbst als Singersongwriter, der seine Stücke mit verschiedenen Instrumenten arrangiert: "Man könnte es Lo-fi-Folkpop nennen".

Nach einigen Banderfahrungen produziert er nun als Solokünstler, u.a. um Musik zu machen, "mit der alle Bandmitglieder, also in diesem Fall eine Person, glücklich sind". Glückwunsch zu dieser Entscheidung, denn an Ideen mangelt es ihm nun wahrlich nicht, und spätestens nach dem Anhören seiner EP "Fantasy Joys" oder den Alben "People Who Look Good... Sometimes" und "Schlacksy!!!" kann niemand mehr ernsthaft wollen, dass ihm jemand dazwischenfunkt.
rou, Mai 2009

 

Online:
www.tjian.de
www.myspace.com/tjian
www.omaha-records.de

 

 

10 Alben, die Tjian mit auf eine einsame Insel nehmen würde:
Beastie Boys - Hello Nasty
Beatles - Yellow Submarine
Beck - Odelay
Blur - Blur
La Casa Azul - Tan simple como el amor
Adam Green - Friends of Mine
Queen - A Night at The Opera
Radiohead - Hail to The Thief
Unicorns - Who Will Cut Our Hair When We're Gone
Why - Elephant Eyelash

 

 

Platten:

Schlacksy!!! (CD, 2009) DOWNLOAD
Und wieder schlagen wir die Hände über dem Kopf zusammen: Der musikalische Irrsinn muss in Nürnberg Zuhause sein! Schon der Titel des neuen Tjian-Machwerks ist eine Klasse für sich: Mit "Schlacksy!!!" haut uns der LoFi-Poser jetzt erneut einen bunten Strauß skuriller Einfälle um die Ohren.

Wer den Werdegang dieses Daniel Düsentrieb des Gitarrenpop verfolgt hat, weiß, dass der Wahnsinn Methode hat: Ausgehend von einer einfachen, aber immer schrägen Grundidee kombiniert Tjian scheinbar unpassende Elemente, mixt diverse Stile wild durcheinander und kocht aus dieser musikalischen Ursuppe ein erstaunlich bekömmliches LoFi-Gericht.

"Sleeping Bag (The Cinimini Song)" startet mit billigem Elektrogedudel und wächst sich unter zweistimmigem Gesang, viel Geblubber und Gescratche schließlich zu einem hoppelnden Anti-Reggae aus. Fröhlicher und liebenswerter als auf "I Hate You" wurde indes wohl noch nie gehasst. Die schmissige Indie-Pop-Nummer "Never Take The Drugs Your Mom Gives You" weckt hingegen den Verdacht, dass hier jemand diesen gut gemeinten Rat nicht beachtet hat - das Ganze klingt wie Pavement im Hustensaft-Rausch.

"Schlacksy!!!" ist nicht mehr so Rhythmus-orientiert wie der gleichermaßen exzellente Vorgänger "People Who Look Good...Sometimes", hat aber mit "Robot Dolls" und "Open Mic Night" wieder Nummern im Programm, bei denen schon die Drum-Spur alleine mitreißt. Dazu noch dieser unnachahmliche, sehr bestimmt alle Melodieseligkeit meidende Gesang, eine gehörige Portion Gefiepe und Gesummse: Fertig ist das ideale Muttertagsgeschenk für alle durchgeknallten Muttis.
rou, Mai 2009

Sleeping Bag (The Cinimini Song)
I Hate You
Never Take The Drugs Your Mom Gives You
Schlacksy
Freedom Of Speech And My Latest Relationship
Robot Dolls
Open Mic Night
Catering List For Rock'n'Rollers
Arty Movies (Make Me Feel Weird)

People Who Look Good...Sometimes (CD, 2007) DOWNLOAD
Schon sein 2005er Output "Fantasy Joys" hatte die LoFi-Redaktion zu unkontrollierten Begeisterungsstürmen hingerissen - jetzt legt der "New LoFi Poser" aus Nürnberg, verstärkt von seinen "Broadway Babies" ein frisches Machwerk vor. Und verblüfft uns mit "People Who Look Good...Sometimes" erneut: Parodiert der Mann jetzt "They Might Be Giants"- oder was hat er vor? Und hat er überhaupt was Bestimmtes vor? Oder purzeln diese schrägen Ideen einfach so raus?

Das Tjian-Universum wabert nach wie vor in kreativem Chaos, eiert mehr als es kreist und stößt den Hörer immer wieder auf die eine entscheidende Frage: Was zum Himmel ist das?! Der Spassfaktor hat im Vergleich zu früheren Stücken nochmals zugelegt, verstärkt kommen jetzt Samples und allerlei elektronische Spielereien zu haarsträubendem Einsatz. Das rhythmische Fundament ist ausgefeilter - und holpert dabei noch eine Spur eigenwilliger daher.

Tjian schlingert irgendwo zwischen Gitarrenpop, experimenteller Schräglage und Kinderlied durch die acht Songs des neuen Albums, scheut sich nicht, unvermittelt von Rap zu minimalistischem Sambagedudel überzugehen ("Cowboy Convention") und liefert nebenbei auch wieder in Gimmicksounds gekleidete eingängige Songperlen ("How They Killed Art") ab. Titel wie "We Could Grill A Snowman" vermitteln einen Eindruck davon, wohin das Ganze textlich geht...

Es bleibt festzuhalten: In unseren Breiten gibt es nichts mit Tjian Vergleichbares. "People Who Look Good…Sometimes" ist ein kurzes aber äußerst vergnügliches Unterfangen, geeignet zum Schunkeln, Zappeln und Sich-Wundern. Wiederum also Höchstnoten für Originalität, Kreativität und Witz.
rou, September 2007

Plastic Trees
We Could Grill A Snowman
Mustard Dogs
Frozen Ice Cream
How They Killed Art
Strawberry Limes
Cowboy Convention
Tiny Donut

Fantasy Joys (CD, 2005) DOWNLOAD
"Fantasy Joys" klingt sehr britisch, was bei den von Tjian genannten musikalischen Einflüssen (Blur, Beatles, Adam Green, Kinks) nicht verwundert. Perfektion ist verpönt, das Ganze ist sehr LoFi, oft ziemlich schräg, dabei aber ungemein groovy und experimentierfreudig, es fiept und quietscht an allen Ecken und Enden. Skurrile Textideen tun ihr übriges. Der Titeltrack der EP fungiert als Intro und kommt mit gesampelten Harmonien á la Beach Boys daher; mit "Sunday Morning Afternoon" folgt eine köstlich-schräge Uptempo-Folkpop-Nummer.

"Flamingo Tragedy" erzählt von allzu bunten Musiklehrerinnen und begeistert durch den unwiderstehlich hoppelnden Refrain. In "Menkind Will Die" kommentiert Tjian männerfeindliche Lesbenflyer und kreuzt klassischen Beat mit jazzigen Pianoklängen. Nach einem netten, aber unspektakulären Instrumental (The Antz In My Underpants) folgt schon der nächste Höhepunkt: Im wunderbar schrammeligen "Hemp Perfume" macht sich Tjian über den erstaunlichen Esoterikmüll in manchen Köpfen lustig: "The Scientologist there with his smiling cheese loves you and your tofu dog"...

Aber es geht noch bekloppter, schließlich gibt es noch die entspannt-soulige Ballade vom heimtückischen Mord an einem Gartenzwerg, die Max Mutzke niemals singen wird (The Dwarf In My Garden), einen äußerst merkwürdigen, von Banjoeinlagen und lyrischen Passagen zerrissenen Rap (Monkey Cop) und, bevor die EP mit einem ruhig-schwebenden Barblues ausklingt (My Mannequin), noch ein kleines fetziges Kabinettstückchen (A World For Psychologists). Fazit: "Fantasy Joys" ist vollgestopft mit kreativen Einfällen, reizvoller Musik - und macht wirklich Spaß.
rou, November 2005

Fantasy Joys
Sunday Morning Afternoon
Flamingo Tragedy
Menkind Will Die
The Antz In My Underpants
Hemp Perfume
The Dwarf In My Garden
Monkey Cop
A World For Psychologists
My Mannequin

 

The Trash Dealer (CD)
The Special Days
Hard Pop Music
Radio Iraq
Love In The 90s
Spotlights On
Freakshow
The Politician
Famous Words
Country Dance Potato
The Trash Dealer

 


Live-Review: Tjian (Düsseldorf, Damen und Herren, 04.06.09)
Perlen vor die Säue

Das "Damen & Herren" in Düsseldorf, offiziell ein Kulturverein, ist eines jener winzigen urbanen Kreativbiotope, wie sie mittlerweile in vielen Großstädten wuchern. Meist nicht viel mehr als ein schmuddeliger Raum nebst Minibar, bieten sie jungen Künstlern die Möglichkeit, vor Publikum aufzutreten und ihre Kunst zu kredenzen.

Angereist war diesmal Tjian aus Nürnberg, der jüngst mit seinem Album "Schlacksy!!!" wiederum ein Paradestück an musikalischer Kreativität und Witz abgeliefert hat (siehe Rezension vom Mai 2009). Eröffnet wurde der Abend jedoch von Daniel Decker, der mit seinem "Pawnshop Orchestra"-Projekt und als Mitbetreiber des Labels lolila zum festen Inventar der Düsseldorfer LoFi-Szene zählt.

Während Decker, der seine Songs verstärkt von Konservenmusik und elektrischer Gitarre zum Besten gab, hier ein Heimspiel hatte, konnte das mengenmäßig recht überschaubare Publikum mit den LoFi-Folk-Perlen von Tjian offensichtlich nicht allzuviel anfangen. Das mag daran gelegen haben, dass Stücke wie "Open Mic Night" oder "Never Take The Drugs Your Mom gives You", die auf "Schlacksy!!!" verspielt arrangiert daherkommen, doch etwas von ihrer skurilen Wirkung einbüßen, wenn sie nur zur akustischen Gitarre vorgetragen werden und man sich nicht recht auf die lohnenswerten Texte einlässt. "Ich bin mir ja nicht sicher, ob man die Songs, die ich alleine spiele gut finden kann, wenn man die Texte nicht versteht", resümiert Tjian später. "Häufig müsste ich vielleicht vor Konzerten Wörterbücher austeilen."

Dabei hat er gerade darin den Reiz eines Solo-Sets gesehen, die Texte in den Vordergrund stellen zu können, wie er im Gespräch mit LoFi-Lab verriet. Weil eine Reproduktion des aufwändig arrangierten Album-Sounds nicht machbar ist, sei dies eine Alternative zur Band-Besetzung, die zumindest bei anderen Auftritten durchaus Zuspruch geerntet habe. Das Düsseldorfer Publikum setzt da offenbar andere Prioritäten. Wenigstens konnten wir noch Tjians Eminem-Cover lauschen, bevor er nach einer guten halben Stunde frühzeitig seine Gitarre einpackte.
rou/bf

 

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